SIE HABEN ODER KENNEN JEMANDEN MIT NACKENSCHMERZEN?
Wir fassen auf dieser Seite alle wichtigsten Infos zusammen.
Mit dieser Seite möchten wir dir einen Einblick in das Thema Nackenschmerzen gewähren. Wir betrachten die Problematik hinter der Diagnose und stellen unser physiotherapeutisches Vorgehen und unsere Behandlungsmethoden vor. Hierfür beziehen wir uns auf wissenschaftliche Studien und unsere jahrelange Praxiserfahrung.
Wir möchten dir damit die Möglichkeit geben, dich bereits im Vorfeld gut über die Thematik zu informieren und Fragen oder Unsicherheiten klären zu können.
Du leidest unter ständigen und wiederkehrenden Nackenschmerzen? Oder kennst du jemanden, der seine Nackenschmerzen einfach nicht in den Griff bekommt?
Dann ist dieser Blog genau das Richtige für dich! Wir klären auf, was dahintersteckt und zeigen dir einen Weg aus dem ewigen Kreislauf von Angst und Schmerz.
Vorab wollen wir klarstellen, dass sehr viele Menschen Nackenschmerzen erleben.
Etwa 70 % der Weltbevölkerung leiden im Laufe ihres Lebens an Nackenschmerzen.
Damit bist du also NICHT ALLEINE!
Nackenschmerzen gehören zu eine der häufigsten und kostenintensivsten Erkrankungen des Bewegungsapparates in der westlichen Gesellschaft. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Nackenschmerzen chronifizieren, ist hoch und liegt bei 15 – 19%. 2,3,4
Obwohl Nackenschmerzen komplex sind und immer von vielen Faktoren beeinflusst werden, sind sie in der Regel nicht gefährlich. Zusätzlich haben Nackenschmerzen eine verhältnismässig hohe Wahrscheinlichkeit von allein wieder zu verschwinden, in den meisten Fällen innerhalb von 2 Monaten.2 Jedoch zeigt sich eine hohe Wahrscheinlichkeit für das erneute Auftreten von Nackenschmerzen.
DEFINITION UND KLASSIFIKATION VON NACKENSCHMERZEN
Nackenschmerzen beschreiben kein festes Krankheitsbild. Es beschreibt einen Schmerzort, dessen Ursachen und Symptome nicht klar abgegrenzt werden können. Sie werden dabei in unspezifische und spezifische Nackenschmerzen unterteilt. Unspezifische Nackenschmerzen sind Schmerzen ohne eine strukturelle Ursache. Diese betreffen ca. 90% aller Patienten. Spezifische Nackenschmerzen werden unterteilt in Patienten mit neurologischen Symptomen und in solche, bei denen Nackenschmerzen auf eine ernsthafte Erkrankung zurückzuführen sind.8
Unspezifische Nackenschmerzen ohne strukturelle Schädigung –> ca. 90% aller Fälle
Ein Grossteil der Patienten, welche unter Nackenschmerzen leiden, entsteht ohne anatomische Veränderung, welche den Schmerz verursachen. Röntgen-, MRT- und CT-Untersuchungen können degenerative, altersbedingte Veränderungen zeigen, welche aber nicht die Ursache der Schmerzen sein müssen. So wie unsere Haut Falten bildet, wenn wir älter werden, verändert sich auch das Innere unseres Körpers.
Spezifische Nackenschmerzen mit neurologischen Symptomen –> 8-9% aller Fälle
Diese Patientengruppe gibt an, unter Taubheitsgefühlen oder Muskellähmungen zu leiden. Hierfür können Irritationen des Nervs oder Bandscheibenvorfälle mit Kompression auf den Nervenstrang verantwortlich sein. Dennoch können auch diese Patienten unter engmaschiger Symptomkontrolle konservativ behandelt werden.8
Spezifische Nackenschmerzen mit schwerwiegenden Erkrankungen –> 1-2% aller Fälle
Die seltensten Ursachen für Nackenschmerzen sind ernsthafte Erkrankungen, welche eine medizinische Behandlung oder weitere Untersuchungen erfordern. Trotzdem sollte an dieser Stelle nochmals betont werden, dass dies nur sehr selten vorkommt.8
Da Patienten mit unspezifischen Nackenschmerzen den grössten Teil ausmachen, werden wir uns, sofern nicht anders angegeben, auf diese Patientengruppe beziehen.
WIE ENTSTEHT DIE PROBLEMATIK?
Ähnlich wie beim unteren Rückenschmerz lässt sich auch bei unspezifischen Nackenschmerzen keine einzelne, eindeutige Ursache identifizieren. Vielmehr ist es ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus unterschiedlichen Lebensbereichen zur Entstehung von Nackenschmerzen, Muskelverspannungen, Bewegungseinschränkungen und allgemeinem Unwohlsein führt.
Grundsätzlich entstehen Schmerzen immer dann, wenn unser Nervensystem den Eindruck gewinnt, dass eine potenzielle Gefahr für den Körper besteht. Folglich können alle Umstände, die unser Körper als bedrohlich wahrnehmen kann- beispielsweise Veränderungen im Gewebe, Stress, Schlafprobleme oder ein dauerhaft aktives Immunsystem – zur Entwicklung von Schmerzen beitragen.10,13
Die verschiedenen Faktoren, welche das Risiko für unspezifische Nackenschmerzen erhöhen können, lassen sich im Wesentlichen in drei Hauptbereiche einteilen:
Die gute Nachricht ist, dass wir auf die meisten Faktoren, welche Nackenschmerzen begünstigen, grossen Einfluss haben und sie daher gut behandeln können. (siehe Bild Begriffe mit grünem Haken)
Oftmals entstehen diese Probleme durch eine sogenannte ‚Überlastung‘. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass diese Überlastung meist nicht durch ungewöhnlich hohe Belastungen verursacht wird. Vielmehr liegt die Ursache darin, dass der Körper nicht ausreichend belastbar ist, um den normalen Anforderungen des Alltags standzuhalten. Diese Belastbarkeit wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, zu denen auch die bereits erwähnten Risikofaktoren gehören.
Besonders das Krafttraining spielt hierbei eine bedeutende Rolle, da es auf vielfältige Weise einen positiven Einfluss auf die Belastbarkeit des Körpers nehmen kann.
SYMPTOME
Da Nackenschmerzen durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst werden, können auch die damit verbundenen Einschränkungen und Beschwerden sehr unterschiedlich sein und sich von Person zu Person stark unterscheiden.
Im Folgenden findest du einige Beispiele für die häufigsten Symptome, welche bei Nackenschmerzen auftreten können:
- Eingeschränkte Beweglichkeit im Nackenbereich
- Plötzlich auftretender, stechender Schmerz
- Anhaltender Schmerz sowohl bei körperlicher Aktivität als auch im Ruhezustand
- Verspannte Muskulatur, die sich bei Berührung hart anfühlt
- Ein Gefühl von Abgeschlagenheit oder Müdigkeit
- Schmerzen, die in die Arme oder Beine ausstrahlen können
- Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Armen und Händen
DIAGNOSTIK
Die Diagnose von Nackenschmerzen basiert hauptsächlich auf drei Untersuchungsmethoden. Ziel dieser Methoden ist es, die Nackenschmerzen in die bereits erwähnten Untergruppen einzuordnen und mögliche ernste Aussagen (sogenannte „Red Flags“) zu erkennen, die eine Behandlung im Rahmen der Physiotherapie ausschliessen. Bei solchen Verdachtsfällen erfolgt eine Überweisung an einen Arzt für weitere Untersuchungen.8,9,26
Die drei zentralen Untersuchungsmethoden sind:
- Das Anamnesegespräch: Hier stellen wir dir gezielte Fragen zu deinen aktuellen Beschwerden, wie sie sich entwickelt haben und welche Einschränkungen du im Alltag dadurch erlebst.
- Die körperliche Untersuchung: Diese beinhaltet verschiedene Tests, bei denen wir deine Bewegungen, Funktionen und wie dein Körper auf schmerzauslösende oder -lindernde Massnahmen reagiert, untersuchen.
- Bildgebende Verfahren (optional): In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, zusätzliche bildgebende Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) durchzuführen.
Es ist entscheidend zu verstehen, dass die ersten beiden Untersuchungsmethoden immer durchgeführt werden sollten. Die bildgebende Diagnostik hingegen ist nicht routinemässig erforderlich, sondern wird nur bei einem begründeten Verdacht auf ernsthafte (spezifische) Erkrankungen von einem Arzt angeordnet und durchgeführt.8,9,26
Warum das so ist:
- Oft werden Fehlalarme ausgelöst:
Stell dir vor, auf den Bildern findet man etwas, das wie ein „Grund“ für deine Schmerzen aussieht. Das Problem ist aber, dass diese Veränderungen (wie zum Beispiel Arthrose oder Auffälligkeiten an den Bandscheiben) oft gar nicht die eigentliche Ursache deiner Schmerzen sind. 9,26 Studien haben nämlich gezeigt, dass viele Menschen ohne Nackenschmerzen in ihren MRT-Bildern genauso viele solcher „Auffälligkeiten“ haben. Das gilt übrigens nicht nur für die Halswirbelsäule, sondern für alle Gelenke. (Schau dir dazu auch die Grafik unten an.)
Vereinfacht gesagt: Man findet auf den Bildern oft irgendwelche „Abnutzungserscheinungen“, die aber ganz normal sein können und nichts mit deinen aktuellen Schmerzen zu tun haben müssen.
- Die Interpretation der Bilder ist sehr unterschiedlich:
Es ist nicht immer einfach und eindeutig, was genau auf den Bildern zu sehen ist. Eine Studie von 2017 hat das eindrücklich gezeigt: Bei einem Patienten mit stabilen, aber chronischen Rückenschmerzen wurden innerhalb von drei Wochen zehn verschiedene Untersuchungen in zehn verschiedenen Zentren durchgeführt. 27 Das Ergebnis? 49 verschiedene „Probleme“ wurden gefunden, aber KEINE einzige dieser Auffälligkeiten wurde von allen Radiologen gleichermassen beschrieben! Was der eine Arzt auf dem Scan als Bandscheibenvorfall sieht, kann für einen anderen eine normale Abnutzung sein.
- Vereinfacht gesagt: Selbst Fachleute sind sich nicht immer einig, was genau sie auf den Bildern sehen. Das macht es schwierig, eine klare und sichere Diagnose nur anhand der Bilder zu stellen.
Wichtig ist aber: Das soll nicht heissen, dass Röntgen, CT oder MRT nutzlos sind oder nie eingesetzt werden sollten! Wenn es Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung gibt, sind diese Verfahren wertvoll, um schnell eine genaue Diagnose zu bekommen und die richtige Behandlung einzuleiten. 8,26 Die Wahrscheinlichkeit, dass bei „normalen“ Nackenschmerzen etwas Ernsthaftes dahintersteckt, liegt aber bei weniger als einem Prozent.8
Die unnötige Anordnung und Verwendung von solchen Scans können sogar zu Problemen führen, die mehr schaden als nützen. 28 Eine Untersuchung mit über 57.000 älteren Menschen mit Rückenschmerzen (ohne Anzeichen für etwas Ernsthaftes) hat gezeigt: Bei fast der Hälfte wurde frühzeitig eine Bildgebung gemacht, ohne dass es wirklich einen guten, medizinischen Grund dafür gab. Diese Leute nahmen länger starke Schmerzmittel in höheren Dosen, bekamen mehr Spritzen und Operationen und hatten auch ein höheres Risiko für langfristige Schmerzen als diejenigen, die nicht untersucht wurden. 28,29
MYTHEN
Mythos 1: Was man im MRT sieht, muss auch Schmerzen verursachen.
Leider ist das nicht so einfach. Studien zeigen, dass nur etwa 10% der Menschen mit deutlichen Verschleisserscheinungen an der Halswirbelsäule tatsächlich Schmerzen im Nacken und in der Schulter haben. 14 Ähnlich sieht es bei Bandscheibenvorfällen aus: Bei 90% der Menschen ohne Beschwerden findet man im MRT eine Bandscheibenvorwölbung. 9 Es scheint sogar so zu sein, dass Nackenschmerzen im Alter tendenziell abnehmen, während die Veränderungen auf den Bildern zunehmen. 16 Daraus können wir schliessen, dass Veränderungen an der Wirbelsäule oft normale Alterserscheinungen sind – wie „Falten an der Wirbelsäule“.
Mythos 2: Von einer „krummen“ Haltung (wie beim aufs Handy schauen) bekommt man Nackenschmerzen.
Auch wenn regelmäßig von einem Zusammenhang zwischen Nackenschmerzen und einer krummen Körperhaltung gesprochen wird, zeigt sich, dass die Haltung beim Sitzen oder beim Schreiben auf dem Smartphone keinen Einfluss auf den Schmerz hat, da diese genauso oft Schmerzen angeben wie jene, die gerade Sitzen. 17,18 Allerdings zeigt sich, dass eine Regelmäßige Variation der Körperhaltung am besten gegen Schmerzen hilft. Daraus ergibt sich unser Merkspruch: “You´re next posture is your best posture” oder in Deutsch: “Deine nächste Haltung ist deine Beste Haltung” 19,20
Auch wenn oft ein Zusammenhang zwischen Nackenschmerzen und einer schlechten Körperhaltung erwähnt wird („Handynacken“), zeigen Studien, dass die Haltung beim Sitzen oder Tippen auf dem Smartphone keinen direkten Einfluss auf Schmerzen hat. Menschen, die „krumm“ sitzen, haben genauso oft Schmerzen wie diejenigen, die aufrecht sitzen. 17,18 Was aber wirklich gegen Schmerzen hilft, ist ein regelmässiger Wechsel deiner Körperhaltung. Unser Merksatz dazu ist: „Deine nächste Haltung ist deine beste Haltung!“ 19,20
Mythos 3: Akupunktur, Lasertherapie, Elektrotherapie, Ultraschall oder Traktion helfen.
Diese Therapieformen haben ebenfalls keinen, bis wenig Effekte auf den Schmerz und die Beweglichkeit. In der Regel ist die Wirkungsdauer nur kurzfristig und nicht besser als bei Placebo Therapie.30,31,33,34,35,36
Akupunktur: Akupunktur verursacht keine bessere Schmerzreduktion als eine Placebo Therapie. 30
Lasertherapie: Lasertherapie oder auch „Low-Level Lasertherapie“, haben ebenfalls keinen signifikanten Effekt auf den Schmerz bei Muskuloskelettalen Schmerzen.34
Elektrotherapie: Es wird zwischen verschiedenen Formen der Elektrotherapie unterschieden, die da wären:
TENS:
- Niedrigfrequenter Strom, keinen Einfluss auf den Schmerz.
Galvanische Stimulation:
- Vier Elektroden -> es soll ein elektrisches Feld gebildet werden, hat leider auch keinen Einfluss auf den Schmerz oder die Funktion.
Interferenzstrom:
- Mittelfrequenter Strom, nicht so effektiv wie viele andere Anwendungen.
Iontophorese:
- Salben mittels Storm tiefer in die Haut transportieren, keine Verbesserung in Schmerz oder Funktion. 35,36
Ultraschall: nicht empfohlen, keine bewiesene Wirkung.31
Traktion: kein Unterschied im Gegensatz zu einer Placebo Traktionstherapie 33
Mythos 4: „Verspannte Nackenmuskeln müssen entspannt und massiert werden!“
Während oft angenommen wird, verspannte Nackenmuskeln müssten primär entspannt und massiert werden, deuten wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass Massage nur wenig, bis keinen nachhaltigen Einfluss auf Muskulatur und Bindegewebe hat. 24,25 Vielmehr gilt: Ein verspannter Muskel ist häufig auch ein schwacher Muskel. Die effektivste Methode zur Behandlung von Verspannungen ist deshalb aktives Training. 21,22,23
Mythos 5: „Der Nacken ist grundsätzlich sehr schwach und ein anfälliges Körperteil!“
Entgegen der Annahme, der Nacken sei grundsätzlich sehr schwach und anfällig, kann er durch entsprechendes Training zu einem sehr starken und widerstandsfähigen Körperteil entwickelt werden. Dies belegen unter anderem Untersuchungen im Autosport. Eine Studie mit Demolition Derby Fahrern zeigte beispielsweise, dass diese trotz durchschnittlich 52 Kollisionen pro Event (bei bis zu 72 km/h) im Schnitt weniger als 21 Tage unter Nackenschmerzen litten. Zudem kam es bei keinem der untersuchten Fahrer zu einer Chronifizierung der Schmerzen.32
Mythos 6: „Da ist ein Wirbel blockiert!“
Die oft gehörte Aussage „Da ist ein Wirbel blockiert!“ greift bei unspezifischen Nackenschmerzen, für die, wie bereits dargestellt, 9 kein klarer anatomischer Auslöser gefunden wird, zu kurz. Stattdessen führt das Nervensystem in Reaktion auf Schmerzen eine Muskelanspannung oder -verkrampfung herbei, die sich subjektiv als Blockade oder Bewegungseinschränkung äussert. 10,13
Vergleichende Studien haben gezeigt, dass manuelle Therapie bei unspezifischen Nackenschmerzen keinen Vorteil gegenüber Training bietet. Forschungsergebnisse legen vielmehr nahe, dass Bewegungseinschränkungen durch gezieltes Training effektiver gelöst werden können als durch manuelle Behandlungen. 37
OPERATION? JA ODER NEIN?
Bei der absoluten Mehrzahl der Nackenschmerzpatienten in eine Operation nicht sinnvoll. Nur in den seltenen Fällen von spezifischen Nackenschmerzen aufgrund schwerwiegender Erkrankungen könnte eine Operation angebracht sein. Anhand des heutigen Wissenstands sollte bei unspezifischen Nackenschmerzen eine Therapie erstmal konservativ behandelt werden. 8, 10, 26, 38
Patienten haben oftmals ungünstige Überzeugungen, was die Wirkung einer Operation bei Nackenschmerzen betrifft. So geben 50% einer Untersuchungan, dass sie einer Operation zustimmen würden, sobald auf einer Bildgebung wie MRT oder CT eine „krankhafte“ Veränderung zu sehen wäre. 13
Gleichzeitig wissen wir aber, dass augenscheinlich „krankhafte“ Veränderungen der Gelenke und Strukturen des Nackens bei 90% der beschwerdenfreien Menschen auch zu finden sind. 9 Diese aber mehr als „Falten des Körperinneren“ interpretiert werden sollten.
WAS KÖNNEN SIE ALS PATIENT ODER ARZT BEI/VON UNS ERWARTEN?
Wie bei jedem unserer (neuen) Patienten, erwartet sie zu Beginn der ersten Therapiesitzung ein ausführliches Anamnesegespräch mit einem unserer Therapeuten, um für die Therapie relevante Information zu evaluieren. Danach wird eine gründliche Untersuchung durch den Therapeuten vorgenommen, um den aktuellen Rehabilitationsstand genauestens festlegen zu können. Darüber hinaus werden Risikofaktoren identifiziert und werden wir nach klinischen Zeichen und Symptomen fragen, die möglicherweise auf eine spezifische Nackenerkrankung hindeuten können. Diese klinischen Zeichen und Symptome nennen wir auch “Red Flags” und beinhalten u.a. die medizinische Vorgeschichte, Blasen-/Darmsymptome, motorische Schwäche oder Empfindungsstörungen im Beinbereich, Fieber und/oder nächtliche Schweißausbrüche, unerklärlicher Gewichtsverlust, etc. Sollte anhand des Anamnesegesprächs oder während der körperlichen Untersuchung der Verdacht bestehen, dass man auf eine oder mehrere Red Flags trifft, werden wir Sie an den behandelnden Arzt zurückverweisen, aber wie bereits erwähnt, ist dies nur in den wenigsten Fällen der Fall.
Es wird gemeinsam mit dem Patienten ein individuelles Anforderungsprofil erstellt, welches speziell auf die täglichen Anforderungen im Leben des Patienten abgestimmt ist. Ziel ist es, einen klar objektiv definierten IST-Standpunkt zu gestalten und mittels erster Planungen den zu erreichenden Soll-Zustand zu formulieren. Dieser Weg wird durch den Transfer der Therapie stattfinden und laufend neu motorisiert und evaluiert, um zu jedem Zeitpunkt über den aktuellen Leistungszustand des Patienten informiert zu sein.
Um diese Art der Methodik noch effizienter zu gestalten und das volle Potenzial aus der Behandlung schöpfen zu können, bieten wir ihnen optional die Möglichkeit der erweiterten Therapiezeit an. Ziel dieser Zusatzleistung ist es, unser Behandlungspotential voll auszuschöpfen, eine qualitativ hochwertige Therapie zu garantieren und damit das Therapieergebnis zu optimieren. Durch das erweiterte Konzept können unsere Therapeuten deshalb noch effizienter an dem Therapieprozess arbeiten.
UNSER VORGEHENSWEISE BEI NACKENSCHMERZEN
Wie sie mittlerweile vernommen haben, sind Nackenschmerzen von vielen verschiedenen Faktoren abhängig und treten sehr häufig auf. Ebenso komplex gestaltet sich die Behandlung von Nackenschmerzen. Diese Information sollte sie absolut nicht verunsichern, sie verdeutlicht aber nochmal, dass es keine Standardbehandlung bei Nackenschmerzen gibt.
Unterstützt von nationalen und internationalen wissenschaftlichen Leitlinien legen wir für die Behandlung von Nackenschmerzen den Fokus auf eine aktive Therapie, wobei eine (regelmäßige) körperliche Aktivität und Verhaltensanpassung im Vordergrund stehen. 8, 10, 26, 39 Durch die Anwendung dieser Hauptmaßnahmen können sie als Patient ihre Gesundheit selbständig unterstützen und präventiv mitwirken.
Insbesondere die Maßnahme der Patientenedukation mittels Erklärung und Beratung sehen wir als sehr wichtig. 10 Hierfür nehmen wir uns während des Behandlungsverlaufs viel Zeit und unter anderem zu diesem Zweck haben wir diese Seite entwickelt, um sie noch besser informieren und beraten zu können. Übergeordnetes Ziel in der Behandlung von Nackenschmerzen ist es, den Patienten einen selbstwirksamen Ansatz zu geben, um die Belastbarkeit gegen äußere Stressoren zu erhöhen. Durch einen gesunden Lebensstil, ausreichende Regeneration und regelmäßige körperliche Aktivität, kann die Stressresistenz im Alltag und somit die Belastbarkeit gesteigert werden. Auch das Selbstmanagement zur Reduzierung der individuellen Risikofaktoren, welchen „den Schmerzbecher zum Überlaufen bringen“ sollten angepasst und minimiert werden. 8, 10, 26, 39, 40
Als ergänzende Maßnahme zur aktiven Therapie können bei Bedarf Techniken aus der manuellen Therapie (bekannte Beispiele hierzu sind Mobilisationen oder Manipulationen der Wirbelsäule) oder Osteopathie hinzugezogen werden. Hier sei aber erwähnt, dass es sich bei diesen Behandlungsmethoden lediglich um ergänzende Maßnahmen handelt. 8, 10, 26, 39, 40 Meistens wird die Voraussetzung für eine aktive Therapie geschaffen.
Sowohl die Wissenschaft als auch unsere Erfahrung zeigen, dass eine (dauerhafte) Umsetzung von passiven Behandlungsmethoden bei Nackenschmerzen kurzfristig Schmerzen reduzieren und/oder die Beweglichkeit verbessern kann, dies jedoch langfristig meistens nicht der Fall ist. 13, 14, 16, 18, 37, 47, 57, 65, 73, 92 Dies führt oft dazu, dass Patienten berichten, dass es in den ersten Tagen nach der Behandlung besser geht, danach aber die Beschwerden zunehmen und die nächste Behandlung wieder gebraucht wird. Somit kann eine Abhängigkeit vom Therapeuten entstehen. Dieses Problem hat man bei einer aktiven Behandlung nicht, weil 1) die Effekte der Behandlung generell länger anhalten und 2) der Patient in der Lage ist, diese Art der Behandlung selbständig, außerhalb der Therapie weiterzuführen. 13, 28, 37, 47, 51, 57, 64, 65, 73, 76, 81
Eine Massage wird nicht oft (als ergänzende Maßnahme) bei uns durchgeführt, da die Wissenschaft in den letzten Jahren gezeigt hat, dass eine Massage bei Nackenschmerzen nicht so wirksam ist wie früher angenommen wurde. Dies wird unterstützt von nationalen und internationalen wissenschaftlichen Leitlinien, die sogar von einer Massagetherapie bei Nackenschmerzen abraten. 13, 14, 37, 47, 57, 65, 73, 76, 81
PARADIGMENWECHSEL IN DER BEHANDLUNG VON NACKENSCHMERZEN
Wie Ihnen vielleicht bereits aufgefallen ist, gehen wir in der Physiotherapie mit Nackenschmerzen etwas anders um, als man es vielleicht von Physiotherapeuten gewohnt ist. Viele Patienten mit Nackenschmerzen denken, sobald sie eine Verordnung für Physiotherapie haben, dass sie 6x Massagetherapie bekommen, auch wenn auf dem Rezept “Krankengymnastik” steht. Wir streben einen Paradigmenwechsel in der Behandlung von Nackenschmerzen an, und zwar steht bei uns, wie bereits erwähnt, ein aktiver Ansatz im Fokus statt einer passiven Behandlung. 13, 16, 37, 42, 57, 51, 76, 81, 92
Jetzt fragen sie sich natürlich, wie ein aktiver Ansatz in der Behandlung von Nackenschmerzen aussieht. Ganz genau können wir diese Frage nicht beantworten, denn Nackenschmerzen sind sehr individuell und die dadurch erfahrenen Einschränkungen, Schmerzen und Probleme variieren stark. Die aktive Therapie bei Nackenschmerzen wird bei uns oft nach den Leitlinien der International Academy for Sportscience gestaltet.
Sobald beurteilt worden ist ob dieses Konzept geeignet ist für den Patienten wird eine funktionelle Diagnostik durchgeführt. Während der funktionellen Diagnostik wird deutlich, welche Bewegungen und Aktivitäten schmerzhaft oder eingeschränkt sind und somit verantwortlich sind für Einschränkungen im Alltag, bei der Arbeit oder beim Sport. Genau diese Bewegungen werden während des weiteren Rehabilitationsverlaufs, im schmerzfreien Bewegungsbereich, wiederholt, wobei die Belastung in kleinen Schritten graduell erhöht wird. Hiermit wird die sogenannte spezifische Belastbarkeit verbessert: Die schmerzhaften Bewegungen werden mit der Zeit weniger schmerzhaft, weil unser Körper diesen Reiz, durch den spezifischen Trainingsprozess und dessen Anpassungen, besser vertragen kann. Durch die verbesserte spezifische Belastbarkeit haben wir einen direkten Einfluss auf Schmerzen und Einschränkungen und können wir diese nachhaltig reduzieren.
LASST UNS ZUSAMMEN DAS BESTE AUS IHRER THERAPIE RAUSHOLEN
Um ein optimales Therapieergebnis zu erreichen, ist eine gegenseitige Kooperation zwischen Therapeuten und Patienten notwendig. Mit dieser Seite möchten wir Ihnen eine ausführliche Übersicht bezüglich der Problematik verschaffen. Trotz der Häufigkeit von Nackenschmerzen gibt es im Allgemeinen eine sehr gute Prognose, wobei die meisten Nackenschmerzen, auch ohne Therapie, innerhalb von zwei Monaten wieder verschwinden. Wir zeigen ihnen den Weg und werden sie während ihres gesamten Therapieprozesses unterstützen. Wenn sie sich auf unsere Kompetenz verlassen, kooperieren und Selbstverantwortung zeigen, liegt ein vielversprechendes Ergebnis vor ihnen.
Bei diesem Blog handelt es sich um eine kostenlose Wissensvermittlung der betroffenen Krankheitsbilder. Da sich die Krankheitsbilder trotz klinischer Diagnosen häufig unterschiedlich in ihren Symptomen präsentieren können, bedarf es einer fachgerechten Abklärung. „Dadurch kann mit gezielten therapeutischen Massnahmen an der individuellen Problematik gearbeitet werden.
QUELLENANGABE
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